Von fliegenden Fischen, jeder Menge Wind und sehr viel Einsamkeit

So hätte der Titel des Vortrags am Freitag auch lauten können. Wilfried Erdmann besuchte die Stadt Leipzig und berichtete in einem Diavortrag über seine Weltumseglung im Alleingang.

Ich durfte seinen Ausführungen lauschen und war nicht nur von der Masse der Besucher überrascht. Die Veranstaltung wurde von der Firma CarCare in der alten Messe organisiert und fand in der Werkstatt des Unternehmens statt. Diese war jedoch nicht zu gemüllt mit Werkzeug und Putzlappen sondern auf Hochglanz gewienert und mit Booten sowie einem Buffet samt Tresen bestückt.

Wie bereits angeklungen war, kamen jede Menge Besucher, es war wohl ausverkauft. (ein paar stühle vor und hinter uns blieben dennoch leer) Unter der Audienz befanden sich die üblichen Verdächtigen, denen man auf ihren Segelbooten auch im Leipziger Neuseenland oder in den entsprechenden Kreisen, wie dem Seglerstammtisch, auch hin und wieder mal begegnet. Was mich überraschte waren aber die vielen Leute die nicht aus Leipzig und der näheren Umgebung kamen. Chemnitz war nur einer dieser exotischen Orte.

Zugegeben die Akustik der ehemaligen Messehalle ist für Vorträge nicht optimal, hatte man doch hier und da Schwierigkeiten, das Referierte zu verstehen. Aber im Großen und Ganzen ging es. Herr Erdmann begann seinen Vortrag mit einer kurzen Einleitung über sich und seine Familie bis er über seine Vorbereitungen sprach. Das Ziel war es ja mit seinem Boot der Kathena Nui einhand um die Welt zu segeln. Nun wäre das für die meisten (um nicht zu sagen alle) Leute die ich kenne schon wahnwitzig genug, für Herrn Erdmann war es ein alter Hut, hatte er das doch bereits 3x hinter sich gebracht. (mal mit frau mal ohne) Also gab er der ganzen Geschichte noch etwas Würze, indem er sich entschied das Ganze „falsch“ rum zu machen – also gegen den Wind.

Sicher ist eine solche Fahrt schon unglaublich genug, was es aber zwischenzeitlich immer wieder unfassbarerer machte, waren für mich die kleinen Dinge. Immerhin hat Wilfried Erdmann die Reise geplant ohne einen einzigen Stop demzufolge auch ohne sich Nahrung beschaffen zu können. 343 Tage, die er unterwegs war, mussten ernährungstechnisch vorraus geplant sein, gepaart mit einer unheimlichen Disziplin sich heute eben mal nicht die doppelte Portion zu gönnen weil einem gerade mal danach ist. Durchbrochen wurde die Disziplin lediglich durch vereinzelte Festtage wie Geburtstage, Weihnachten und Kap Umrundungen. Einer der für mich amüsantesten Momente des Vortrags war die in der er Bilder von auf dem Deck liegenden (nun nicht mehr) fliegenden Fischen zeigte zusammen mit der Erklärung, dass sich manch Seefahrer daraus ein lecker Mahl zubereitet, er jedoch nicht aufgrund seiner Fischallergie. Ich meine mal da fährt der Kerl quasi auf einem riesigen Kühlschrank und kann nichts daraus essen!

Vor Ort wurden, nebenbei erwähnt, Speisen und Getränke ausgegeben die im allgemeinen auch sehr lecker waren.

Am stärksten beeindruckt haben mich während des Vortrags aber nicht die O-Töne der Seefahrt oder gar die Fotos der rauen See mit ihren wilden Wellenbergen. Am stärksten beeindruckten mich die immer mal wieder eingestreuten Kommentare, wie lang er sich bei dem und den Bild gerade dort und dort befunden hat. Es fiel mir sehr schwer einzuordnen, dass der Mann gerade 10 Tage benötigt hatte um von der Nordsee in die Passatwindzone zu kommen. 10 Tage in denen nicht wirklich was passiert ist. Ich meine, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 10 Tage, ohne wirklich viel zu tun, ohne medialen Input ohne menschliche Kommunikation – allein.

Im Anschluss an das Gesagte fasste ich immerhin noch den Mut den Abenteurer zu fragen, wie man sich nach solch einer Fahrt überhaupt noch motiviert. Die Antwort des etwas müde wirkenden Seefahrers war, erschreckender Weise: „Gar nicht.“ .

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